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Ellwangen im Mittelalter

Ellwangen in der frühen Neuzeit

Quellennachweis



Methodius

Gedenktafel an den Heiligen Methodius

Auf die Initiative des Passauer Bischofs Ermenrich, der vorher Abt von Ellwangen war, verbrachte Methodius von Saloniki in Ellwangen seine Klosterhaft

 

Ellwanger Reliquienkästchen

Das Ellwanger Reliquienkästchen wurde noch vor dem Jahr 900 angefertigt.














Hallenkrypta

Hallenkrypta in der Basilika

 




 

 

 

 

reitender Ritter

Die Abtei Ellwangen beteiligte sich auf der Seite der Staufer an den Kämpfen gegen den Erzbischof von Mainz













Kalter Markt

Pferdeumzug am Kalten Markt
















Johann von Hürnheim

In der Amtszeit Abt Johanns von Hürnheim wurde die Benediktinerabtei Ellwangen umgewandelt in ein Kanonikerstift mit Fürstpropst




Stadt und Kloster Ellwangen im Mittelalter

Die meisten Menschen lebten im Mittelalter auf dem Land und beschäftigten sich mit der Landwirtschaft. Das Handwerk entwickelte sich erst im Hochmittelalter. Die Menschen waren im Mittelalter abhängig von ihrem Grundherrn. Im Frühmittelalter entwickelte sich das Lehnswesen. Das Lehnswesen regelte das Leben der Menschen das ganze Mittelalter hindurch bis ins 19. Jahrhundert.

Das Leben der Menschen im Mittelalter war vom Glauben an Gott bestimmt. Klöster spielten eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben.

Die Siedlung Ellwangen wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts an der Grenzscheide zwischen den Reichsteilen Alamannien und Austrasien im dünn besiedelten Virngrundurwald gegründet. In den letzten Regierungsjahren des Pippin wurde bei dieser Siedlung ein Kloster gestiftet. Das Kloster wurde nach der Ellwanger Überlieferung im Jahr 764 von Erlolf, dem Bischof von Langres und seinem Bruder Hariolf als adeliges Eigenkloster auf eigenem Grund und Boden gegründet. Bereits in der Gründungsphase erhielt die Stiftung Reliquien aus Langres und aus Rom. Kurze Zeit nach der Gründung übereigneten die Gründer ihr Kloster dem König, Karl dem Großen. Ellwangen wurde dadurch zum  Reichskloster. (RI 521)

Benediktinerklöster dieser Zeit, wie z.B. das Kloster Ellwangen, unterstützten die Karolinger bei der Festigung der fränkischen Königsherrschaft. Durch seine Lage im alamannisch - austrasisch - bairischen Grenzgebiet war das Kloster ein wichtiger Stützpunkt für die Karolinger bei den Auseinandersetzungen mit Tassilo, dem Herzog der Baiern.

Die Klostergründung im Virngrundwald kümmerte sich neben der Glaubensverkündigung um die Erschließung des Urwaldes in der Umgebung. Im  Hochmittelalter erreichte die Gründung neuer Siedlungen dann einen Höhepunkt.

Der heute noch bestehende Kalte Markt, ist als  Pferdemarkt bereits im Frühmittelalter entstanden. Seine Anfänge gehen vielleicht sogar bis in die Gründerzeit der Abtei zurück.

Die Benediktinerabtei Ellwangen war im 9. Jahrhundert mit weit über 100 Mönchen eines der mitgliederstärkeren Reichsklöster des fränkischen Reiches. Der Ellwanger Mönch Ermenrich wurde im Jahr 866 Bischof von Passau. Ob auf sein Betreiben der Slawenapostel Methodius nach seiner Verurteilung im Jahr 870 in Ellwangen gefangen gehalten wurde, kann als wahrscheinlich beantwortet werden, ist aber nicht eindeutig geklärt.

Im Jahr 979 wurde die Abtei Ellwangen von Benedikt VII. direkt dem Papst unterstellt. (RI 567) Kurz darauf wurde die Abtei Ellwangen in weltlicher Hinsicht direkt dem Kaiser unterstellt. (RI 996)

Ein großes Territorium konnte das Kloster Ellwangen nie erwerben. Es bestand aus der Umgebung des Klosters im oberen Jagsttal und Streubesitz auf der Schwäbischen Alb, bei Heidelberg, bei Nürnberg sowie im Raum Gunzenhausen. (RI 2056)

Die Zeit der mittelalterlichen Stadtgründungen begann im 12./13. Jahrhundert. Vorher gab es nur wenige, noch aus der Römerzeit stammende Städte.

Abt Helmerich verkaufte um das Jahr 1130 Baugrund innerhalb der Klosteranlage an sogenannte Laien. Anscheinend kostete der Bau der neuen Kirche - die Alte war um das Jahr 1100 abgebrannt - viel Geld. An der südlichen Klostermauer wurden Häuser gebaut und der sich südlich an das Kloster anschließende Teil der Siedlung Ellwangen wurde mit der Klosteranlage vereinigt.

Durch die Vereinigung von Kloster und Siedlung wurde die klösterliche Ruhe gestört. Dies und die finanzielle Situation waren die Gründe für den erzwungenen Rücktritt Abt Helmerichs im Jahre 1136. Die Maßnahmen Abt Helmerichs waren für die Entwicklung der Siedlung Ellwangen zur Stadt richtungsweisend. Sie wurden auch unter seinen Nachfolgern nicht rückgängig gemacht.

Im Jahre 1182 brannte die Klosterkirche erneut ab.

In der Stauferzeit entwickelte sich die Klostersiedlung Ellwangen zur Stadt. Stadtherr war der Abt.

Die Häuser in den Städten waren Wohn- und Wirtschaftsgebäude und Wehrbauten. Das Wohnhaus des Bürgers entstand aus dem Bauernhaus. Die Gebäude in den Städten waren im 13. Jahrhundert fast ausschließlich langgestreckte Fachwerkhäuser in Ständerbauweise. Die Gefache waren mit Holzgeflecht ausgefüllt, welches mit Lehm abgedichtet wurde. Die Fußböden in den engen, stickigen und dunklen Räumen des Hauses bestanden meist aus festgestampftem Lehm. Die Dächer waren mit Stroh, Schilf oder Holzschindeln, vereinzelt aber auch mit teuren Tonziegeln bedeckt. Die Häuser besaßen nur wenige Fenster, die in der kalter Jahreszeit abgedichtet wurden. Glasfenster kamen erst später in Gebrauch. Die Beleuchtung erfolgte hauptsächlich durch Kienspäne, die jedoch nur kurze Zeit brannten und ständig beaufsichtigt werden mussten. Kerzen waren eine teure Alternative. Die als Wärmequelle benutzten Feuerstellen eigneten sich nicht als Beleuchtung, da bei ihnen die Glut überwiegte.

Seit dem Frühmittelalter gab es in Ellwangen zwei Jahrmärkte. Im Hochmittelalter entstanden in Ellwangen - vielleicht im Zusammenhang mit der Entstehung der Stadt – zwei weitere Jahrmärkte. Es gab damals in Ellwangen:

  • den Kalten Markt am Gedenktag des hl. Antonius und der hl. Drillinge Eleusippus, Meleusippus und Speusippus (17. Januar)
  • den Grasmarkt am Gedenktag der hl. Sulpitius und Servilianus (23. Mai)
  • den Veitsmarkt am Gedenktag des hl.Vitus (15. Juni)
  • den Herbstmesstag oder Michaelismarkt am fünften Tag nach Michaelis (3. Oktober)

Mit Abt Kuno (1188-1221) brach eine neue Blütezeit des Klosters und der Stadt Ellwangen an. Seit 1215 führte Abt Kuno den Titel eines Reichsfürsten. Das Kloster Ellwangen war Fürstabtei. 1218 wurde ihm zusätzlich die Abtei Fulda übertragen. Er spielte in der damaligen Reichspolitik eine wichtige Rolle. Er war an der Spitze einer Delegation beim Papst in Rom, um die Kaiserkrönung Friedrich II. vorzubereiten. Große Aufgaben hatte Kuno zudem in Ellwangen zu erfüllen. Auf dem heutigen Schlossberg errichtete er eine erste Burg zum Schutz des Klosters und der Stadt sowie als Residenz des Abtes. Teile der Stadt mussten nach dem Brand von 1201 wieder aufgebaut werden. Während des Abbatiates Abt Kuno I. erhielt die Stadt Ellwangen das Recht über Leben und Tod zu richten. Der Bau der zwischen 1182 und 1233 errichteten spätromanischen Klosterkirche wurde maßgeblich durch Abt Kuno I. geprägt.

Höchstwahrscheinlich erreichte die Altstadt von Ellwangen ihre heutige Ausdehnung im Verlauf des 13. Jahrhunderts. Zu der geplanten Stadtanlage mit den auf das Gotteshaus ausgerichteten Gassen wurde der südliche Teil der Siedlung hinzugefügt welcher nicht durch eine geplante Bebauung entstand. Die Stadt Ellwangen war in dieser Zeit noch nicht mit einer Mauer umgeben. Sie war durch Gräben und Wasserläufe gesichert. Diese sollten verhindern, das größere Mengen von Waren unverzollt in die Stadt gelangten. Die Stadttore waren vermutlich (bis auf das im Süden gelegene Steintor) aus Holz. Dies genügte für Ihre Funktion als Zollstationen. Der klösterliche Bereich war mit einer Verteidigungsmauer umgeben.

Durch das Ablegen des Bürgereides gegenüber dem Abt wurde man Bürger der Stadt Ellwangen. Der Bürger übernahm Verpflichtungen, wurde aber gleichzeitig in den Rechtsbereich der Stadt aufgenommen. Hier galt das Bürgerrecht. Der Bürger musste Abgaben an den Abt leisten. Aber auch der Abt war seinen Bürgern gegenüber verpflichtet. Er bewahrte die Bürger z.B. vor Schäden die ihnen durch falsche Waagen und Maße entstehen konnten, indem er diese genau überprüfen ließ. Die militärische Sicherung  des Abteigebietes und der Stadt sowie die Sicherung gegen Räuber und Verbrecher, wurde durch Burgen gewährleistet. Diese Burgen dienten auch als Verwaltungszentren.

Der Abt als Stadtherr verlieh die Ämter der Stadt. Die Ratsherren des Stadtrates bildeten zugleich das Stadtgericht. Vorsitzender des Stadtrates sowie des Stadtgerichtes war der Stadtschultheiß.

Nach der politischen und kulturellen Blüte des Klosters und der Stadt Ellwangen in der Stauferzeit begann seit Beginn des 14. Jh. eine lange Epoche des wirtschaftlichen Niedergangs und des sittlichen Zerfalls der Klöster insgesamt und insbesondere der Benediktinerklöster. Die Mönche wichen von den Vorgaben der Regula Benedicti ab. Die Mitgliederstärke des Konvents sank stark ab. Persönlicher Besitz wurde zugelassen. Die Aufteilung des Klosterbesitzes war der Hauptgrund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Benediktinerklöster.

Durch den Rückkauf der Vogteirechte über die niedere Gerichtsbarkeit in Ellwangen, von den Grafen von Öttingen im 14. Jahrhundert, war die Benediktinerabtei Ellwangen nur noch bei Ihrem Streubesitz auf adelige Vögte angewiesen, die dort vom Kloster unabhängig die weltliche Verwaltung sowie die Gerichtsbarkeit ausübten.

Die von den württembergischen Grafen als Schirmherren des Klosters Ellwangen, dem Abt und Konvent aufgedrängten strengen Sparmaßnahmen, blieben ohne spürbaren Erfolg. Der einzige bürgerliche Abt, Siegfried Gerlacher (1400-1427), wurde gegen den Willen der Mönche durch den Papst eingesetzt. Er versuchte das klösterliche Leben zu reformieren, scheiterte jedoch an der ablehnenden Haltung der Mönche. Die noch in Resten erhaltene Stadtmauer von Ellwangen wurde wohl auf seine Initiative hin gebaut.

Die Abtei Ellwangen gehörte noch im Spätmittelalter neben der Reichenau, St. Gallen, Fulda und Prüm zu den bedeutendsten deutschen Reichsabteien.

Gunzenhausen gehörte seit der Karolingerzeit zu den größeren Grundherrschaften der Abtei Ellwangen. Der Verkauf des Ellwanger Streubesitzes erfolgte im Spätmittelalter. Die Abtei Ellwangen musste im Zuge der Entwicklung vom mittelalterlichen Personenverbandsstaat zum Territorialstaat seinen weitläufigen Streubesitz aufgeben um in einem kleinen, rechtlich zu behauptenden Territorium ein umfassendes Regiment begründen zu können.

Im Spätmittelalter konnten die Fürstäbte des geistlichen Fürstentums, erfolgreich eine Eingliederung ihres Gebietes in den Herrschaftsbereich des Schirmherrn, von Württemberg, verhindern.

Der große Brand des Jahres 1443, der das Kloster mit Kreuzgang zerstörte, löste den Rest klösterlicher Ordnung, den die Mönche bis dahin noch wahrten, vollends auf. Schließlich wandelte der Papst während der Amtszeit von Abt Johann II. von Hürnheim, im Jahr 1460 das Kloster in ein Chorherrenstift um.

Das Stiftskapitel setzte sich aus zwölf Stiftsherren zusammen. Die letzten Mönche waren nun die ersten Stiftsherren. Neun Stiftsherren waren Adelige; die restlichen drei konnten den fehlenden Adelstitel durch das Doktorprädikat ersetzen. Dazu kamen zehn Chorvikare zur Besorgung des Gottesdienstes. Die Stiftsherren brauchten nicht mehr im Kloster zu leben, sondern konnten Häuser in der Stadt beziehen. An der Spitze des reichsunmittelbaren Chorherrenstifts stand der Fürstpropst. Er war gleichzeitig auch Stadtherr der Stadt Ellwangen.

Die Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit wurde in Ellwangen durch den Fürstpropst Albrecht von Rechberg geprägt. In seiner Regierungszeit besserte sich die wirtschaftliche Lage der geistlichen Stiftung Ellwangen. Er konnte zudem noch Geld für mehrere, die Stadt bis heute prägende Bauwerke aufbringen. Die Stiftskirche wurde ausgebessert, die Wolfgangskirche wurde gebaut. Das Spital wurde vom Klosterbereich in die Stadt verlegt. Die Straße in der es gebaut wurde bekam den Namen Spitalstraße.

Albrecht von Rechberg konnte eine Einbindung des Abteigebiets in den Herrschaftsbereich des Grafen von Württemberg in seiner Regierungszeit nicht nur verhindern. Es gelang ihm sogar die Stellung der Abtei als selbständiges geistliches Fürstentum zu festigen.

Gemäß dem damaligen Zeitgeist wurde Albrecht von Rechberg während seiner 40 jährigen Regierungszeit nie zum Priester geweiht. Er lebte im Konkubinat und hatte zwei Söhne. Fürstpropst Albrecht von Rechberg starb im Jahre 1502 im Alter von 57 Jahren.

 

 

 

Hariolf

Hariolf gründete das Kloster Ellwangen zusammen mit seinem Bruder Erlolf, dem Bischof von Langres

 

 

 

 








Reliquien der Stiftsheiligen

In den ersten Jahren des Klosters Ellwangen wurden Reliquien 16 Heiliger von Bischof Erlolf aus Langres und Rom nach Ellwangen gebracht















 

 

Basilika

Die in der Zeit der Stauferkaiser erbaute Kirche gilt als das hervorragendste Baudenkmal im Stammlande und als eines der bedeutendsten, eindrucksvollsten Zeugnisse der spätromanischen Architektur rechts des Rheins.
(B. Bushart)












Stadt Ellwangen

So ähnlich könnte Ellwangen im
13./14. Jh. ausgesehen haben





 

 

 

Johann II. von Holzingen

Johann I. war als Mönch im Jahre 1406 an einer Schlägerei beteiligt bei der ein Mensch starb.

 

 

 

Kreuzgang

Das Kloster Ellwangen wurde nach dem Brand im Jahre 1443, erst in der Regierungszeit des Fürstpröpstes Albrecht von Rechberg wieder aufgebaut

 

Johann von Hürnheim