Stadt
und Fürstpropstei Ellwangen in der frühen Neuzeit
Der große Brand des Jahres 1443, der das Kloster mit Kreuzgang zerstörte,
löste den Rest klösterlicher Ordnung, den
die adeligen Mönche bis dahin noch wahrten, vollends auf. Schließlich
wandelte der Papst während der Amtszeit von Abt
Johann II. von Hürnheim im Jahr 1460 das Kloster in ein
Chorherrenstift um.
Das Stiftskapitel setzte sich aus zwölf Stiftsherren zusammen.
Die letzten Mönche waren nun die ersten Stiftsherren. Neun Stiftsherren
waren Adelige; die restlichen drei konnten den fehlenden Adelstitel
durch das Doktorprädikat ersetzen. Dazu kamen zehn Chorvikare
zur Besorgung des Gottesdienstes. Die Stiftsherren brauchten nicht
mehr im Kloster zu leben, sondern konnten Häuser in der Stadt
beziehen. An der Spitze des reichsunmittelbaren Chorherrenstifts
stand der Fürstpropst. Er war gleichzeitig auch Stadtherr der
Stadt Ellwangen.
Die Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit wurde in Ellwangen
durch den Fürstpropst Albrecht von Rechberg geprägt. In
seiner Regierungszeit besserte sich die wirtschaftliche Lage der
geistlichen Stiftung Ellwangen. Er konnte zudem noch Geld für
mehrere, die Stadt bis heute prägende Bauwerke aufbringen. Die
Stiftskirche wurde ausgebessert, die abgebrannten Klostergebäude
wurden wiederhergestellt, die Liebfrauenkapelle wurde gebaut, die
Wolfgangskirche wurde gebaut. Das Spital wurde vom Klosterbereich
in die Stadt verlegt. Die Straße in der es gebaut wurde bekam
den Namen Spitalstraße.
Albrecht von Rechberg konnte eine Einbindung des Abteigebiets in
den Herrschaftsbereich des Grafen
von Württemberg in seiner
Regierungszeit nicht nur verhindern. Es gelang ihm sogar die Stellung
der Propstei als selbständiges geistliches Fürstentum zu
festigen.
Fürstpropst Albrecht von Rechberg starb im Jahre 1502 im Alter
von 57 Jahren. Gemäß dem damaligen Zeitgeist wurde Albrecht
von Rechberg während seiner 40 jährigen Regierungszeit
nie zum Priester geweiht. Er lebte im Konkubinat und hatte zwei Söhne.
1517, das Jahr in dem Martin
Luther seine 95
Thesen an die Schlosskirche
von Wittenberg genagelt haben soll, markierte den Beginn der Reformation.
Martin Luther wendete sich darin insbesondere gegen den Ablasshandel in der katholischen Kirche.
Zur Beginn der Reformation war Albrecht
Thumb von Neuburg Fürstpropst
des Chorherrenstiftes Ellwangen. Albrecht
II. lag ständig
im Streit mit seinem Stiftskapitel. Deshalb musste er im Jahre 1521
resignieren. Das Wahlrecht des Stiftskapitels missachtend, verkaufte
er sein Amt an den mächtigen Pfalzgrafen
Heinrich. Die Fürstpropstei
war für Heinrich
von der Pfalz nur eine Nebenpfründe. Er
war fast nie in Ellwangen anwesend.
Der Stiftsprediger Dr. Kreß und der Stadtpfarrer Georg Mumpach
waren beide Anhänger der Lehre Martin
Luthers. Dr. Kreß war
der gelehrte Kopf der Ellwanger Reformationsbewegung. Er war in seinem
Verhalten und in seinen Predigten gemäßigter als der Stadtpfarrer
Mumpach. Auch einige Chorherren und Chorvikare sowie einige Bürger
der Stadt sympathisierten mit der Reformationsbewegung.
In dieser Zeit fanden in ganz Schwaben Bauernaufstände statt.
In der Fürstpropstei Ellwangen verbanden sich einige,
mit dem Fürstpropst unzufriedene Stiftsherren mit
den rebellierenden Bauern. Den Bauern der Fürstpropstei kam es vor allem auf niedrigere
Abgaben an und das die Bauernhöfe nicht mehr als Fallgüter
nach dem Tode des Bauern an den Fürstpropst zurückfielen,
der damit jemand anderen belehnen konnte. Es sollten erbliche Lehen werden, die nach dem Tode des Bauern an seine Hinterbliebenen weitergegeben
werden können.
Die Bauern drangen im April 1525 in die Stadt Ellwangen ein. Vor
allem die Häuser der adeligen Stiftsherren wurden geplündert.
Die meisten Chorherren des
Stiftskapitels flüchteten aus der
Fürstpropstei.
Der Schwäbische Bund schickte Hauptmann Reinhard
von Neuneck mit einem kleinen Heer nach Ellwangen.
Der Bauernaufstand in Ellwangen
war beendet. Die Bürger der Stadt mussten dem Fürstpropst den Treueid leisten. Die Anführer des Ellwanger Bauernhaufens
wurden enthauptet. Die Überlebenden wurden für den von
ihnen angerichteten Schaden haftbar gemacht.
Der Stiftsprediger Dr. Kreß und der Stadtpfarrer Georg Mumpach
wurden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes der
Irrlehre überführt und in Dillingen
an der Donau enthauptet.
Die mit der neuen Lehre sympathisierenden Chorherren mussten
auf ihre Kanonikat verzichten und die Fürstpropstei Ellwangen
für
immer verlassen.
Das geistliche Fürstentum Ellwangen wurde zu einer katholischen
Enklave in einer weitgehenden evangelischen Umgebung. Dafür
das es sich in dieser Zeit halten konnte war wohl vor allem auch
der Rückhalt des Kaisers, Karl
V., maßgebend. Später
unterstützte der Kaiser die Idee einer Eingliederung der kleinen
Fürstpropstei Ellwangen in den Machtbereich des katholischen
Deutschen
Ordens. Dieser Gedanke wurde jedoch von den Stiftsherren
abgelehnt.
Das Stiftskapitel wählte deshalb, nach dem Tode Heinrichs
von der Pfalz im Jahre 1552 den mächtigen Kardinal
Otto von Waldburg zum Fürstpropst. Der Kardinal war ein Anhänger der katholischen
Politik des Kaisers. Er war in der Lage die Fürstpropstei, als
eine für ihn einträglich Nebenpfründe, gegen die Machtgelüste
des Deutschen
Ordens zu verteidigen.
Fürstpropst Kardinal Otto von Waldburg war wegen seiner bedeutenden
anderen Ämter selten in Ellwangen anwesend.
In der nun folgenden Zeit der Gegenreformation war Kardinal Otto
Truchsess von Waldburg ein Vorkämpfer für die politische
Stabilisierung des Stiftes als selbständiges katholisch-geistliches
Fürstentum innerhalb des Heiligen
Römischen Reiches.
Im Augsburger
Religionsfriede wurde 1555 festgelegt, das die Bewohner
eines Fürstentums die gleiche Religion haben mussten wie der
Fürst des Landes. Das bedeutete das alle in der Fürstpropstei
Ellwangen lebenden Menschen katholisch bleiben mussten. Die Einwohner
der Stadt Ellwangen die einer anderen Religion angehören wollten,
konnten dies nur durch Wohnortwechsel erreichen. Leibeigene Bauern
konnten ihren Wohnort nicht selbst bestimmen. Sie hatten keine Möglichkeit
ihre Religion selbst zu wählen.
Neben der Ausweisung der Protestanten drang Fürstpropst Otto
von Waldburg auch auf eine Reform des Klerus im ganzen Stiftsgebiet.
Von Rom aus kümmerte er sich persönlich um die Neubesetzung
der Geistlichen Ämter.
Der Jesuit Petrus
Canisius war im Jahre 1550 vom Ordensgründer
Ignatius
von Loyola ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation
geschickt worden, um dort die Arbeit des Ordens aufzubauen. Im Frühjahr
des Jahres 1568 kam der Fürstpropst nach Ellwangen und brachte
Petrus Canisius mit. Petrus Canisius predigte in der Stiftskirche.
Er hörte die österliche Beichte, besuchte die Kranken in
den Häusern und bereitete die Firmung vor.
Nach dem Tode des Kardinals im Jahre 1573 war die Fürstpropstei
als katholisch-geistliches Fürstentum fest im Heiligen
Römischen
Reich integriert. Deshalb konnten die Stiftsherren jetzt die Pröpste aus den eigenen Reihen wählen. Der Fürstpropst hatte Residenzpflicht
in Ellwangen. Bei einer Wahl zum Bischof musste er sein Amt
als Fürstpropst niederlegen. Erst 100 Jahre später wurde
der Einfluss des hohen Adels auf die Fürstpropstei wieder so
groß, dass er die Propstwürde als Nebenpfründe erlangen
konnte.
In den letzten 20 Jahren des 16. Jahrhunderts verbot Fürstpropst
Wolfgang von Hausen verschiedene Vergnügungen, die seiner Ansicht
nach die Gelegenheit zu sündigen boten. Er hoffte damit Gottes
Zorn zu besänftigen, damit Seuchen, Hunger, Unwetter und Krieg
ein Ende hätten.
Tanzen und Singen wurde ausdrücklich untersagt – auch
zur Fastnachtszeit oder bei Hochzeiten.
In Ellwangen fanden im Jahre 1588, also zur Zeit des Fürstpropstes
Wolfgang von Hausen, ca. 20 Hexenprozesse statt. Die Verfahren in
der Fürstpropstei wurden vom Biberacher Henker Hans Vollmair
durchgeführt, der auch an anderen Hexenprozessen im ostschwäbischen
Raum beteiligt war. Durch massiven Foltereinsatz wurden die Verteidigungsmöglichkeiten
der Angeklagten in Ellwangen radikal beschnitten. Dies führte
bei allen Angeklagten entweder zum Tod in der
Haft oder zum Geständnis der Hexereivorwürfe.
Fürstpropst Wolfgang
von Hausen wurde im Jahre 1601 zum Bischof
von Regensburg gewählt.
Eine Konfrontation zwischen dem Protestantischen und dem Katholischen
Lager zeichnete sich bereits zu dieser Zeit ab. Zwischen 1603 und
1608 ließ Fürstprost Johann Christoph I. von Westerstetten
die mittelalterliche Burg in Ellwangen zu einer zeitgemäßen
Verteidigungsanlage umbauen. Als vierflügeliges Renaissanceschloss mit achteckigen Eckturmaufsätzen diente es zur standesgemäßen
Repräsentation der Ellwanger Fürstpröpste.
Die Menschen dieser Zeit, auch die akademisch gebildeten, glaubten
fest an die Existenz von Hexerei. Zwischen den Jahren 1611 und 1618
fand in Ellwangen die zweite Hexenverfolgungswelle statt.
Im Jahre 1611 begann Fürstpropst
Johann Christoph I. von Westerstetten mit der Verfolgung
von Menschen die der Hexerei verdächtig
waren. Er war für den Tod von 300 Menschen verantwortlich, die
zwischen 1611 und seinem Verzicht auf die Fürstpropstei im Jahre
1613 den Hexentod starben. Um einen reibungslosen Ablauf der Verfolgung zu garantieren ernannte der Fürstpropst einen Hexenrat. Dieses
Amt vergab er an seinen Kanzler, Dr. Carl Kibler. Dr. Carl Kibler
war Jurist und kannte sich mit den damals geltenden Bestimmungen
recht gut aus.
Der Fürstpropst Johann Christoph I. sowie sein Hexenrat erkannten
schon bald, das eine „Wahrheitsfindung“ aufgrund dem
Indiz der Besagung nicht
möglich war. Es konnte also nicht mit
Sicherheit festgestellt werden, wer eine Hexe/Hexer ist und wer
nicht. Dennoch wurde die Anklage der Hexerei weiterhin vor der Bevölkerung
als Rechtfertigung für Todesurteile genutzt. Eine durch die
Folter erzwungene Denunziation reichte zur Verfolgung wegen Hexerei
aus.
Zu Anfang des Jahres 1613 wurde Johann Christoph von Westerstetten
vom Domkapitel zum Bischof von Eichstätt gewählt. Auch
in Eichstätt war er für den Tod vieler unschuldiger Menschen
wegen Hexerei verantwortlich.
Bis zum Jahre 1618 fanden auch unter seinem Nachfolger Johann Christoph
II. von Freyberg/Eisenberg noch 150 Hinrichtungen statt.
Um 1625 trat die Pest in Ellwangen auf und forderte viele Tote.
Im Jahre 1630 landeten die Schweden unter König Gustav II.
Adolf auf der Ostseeinsel Usedom um in den Dreißigjährigen
Krieg einzugreifen. Die Schlacht
bei Breitenfeld öffnete den Schweden den Weg nach Süddeutschland.
Fürstpropst Johann
Jacob Blarer von Wartensee begab sich daraufhin
mit seinen Chorherren und einigen weltlichen Räten ins Exil.
Die meiste Zeit hielt er sich in Salzburg auf.
Von Dinkelsbühl kommend rückte der Obrist Claus Dietrich
von Sperreuter gegen die Stadt Ellwangen vor. Ihm unterstellt waren
Söldner des Grafen Kraft von Hohenlohe. Die Stadt wurde vom
Buchenberg aus mit Kanonen beschossen. Ein nachhaltiger Angriff auf
das Steintor brachte den Schweden nicht den erhofften Durchbruch.
Abends vereinbarte man einen Waffenstillstand. Oberst Claus Dietrich
von Sperreuter forderte die Bürgerschaft nochmals zur kampflosen Übergabe
der Stadt auf. Um eine Plünderung und ein Abbrennen der Stadt
zu verhindern ergab man sich der schwedischen Übermacht.
König Gustav II. Adolf von Schweden schenkte die Fürstpropstei
seinem Verbündeten, Kraft von Hohenlohe.
Dieser wollte in der Fürstpropstei die Reformation einführen.
Die Geistlichen mussten die Stadt verlassen. Stattdessen kam ein
evangelischer Pfarrer und ein evangelischer Schulmeister.
Am 6. September 1634, nur 1 1/2 Jahre nach der Schenkung der
Propstei an den Grafen von Hohenlohe, setzte die Schlacht
bei Nördlingen der schwedischen Herrschaft in Süddeutschland ein Ende. In diesem
Zusammenhang musste auch Kraft von Hohenlohe wieder fort.
Die beiden Jesuitenpatres Arnreitter
und Heffelin errichteten im Jahre 1638, im Einvernehmen mit dem Fürstpropst
ein einfaches, aus einem Tannenbaum gebildetes Holzkreuz auf dem
Schönenberg.
In der Mitte des Kreuzes befestigten sie eine Nachbildung des, in
dieser Zeit bedeutenden Mariengnadenbildes von Notre-Dame de Foy
bei Dinant in
Belgien. Ein Jahr später überbauten die
Ellwanger das Kreuz mit einer Kapelle nach dem Vorbild der Gnadenkapelle
des italienischen Marienwallfahrtsortes Loreto.
Im Jahre 1645 kam es zur erneuten Besetzung der Stadt.
Französische Söldner brachten die Pest mit. Fürstpropst Johann
Jacob Blarer von Wartensee erlebte noch das Ende des Dreißigjährigen
Krieges. Er starb erst im Jahre 1654 mit fast 80 Jahren in Ellwangen.
Seinem Nachfolger Fürstpropst Johann Rudolf von Rechberg gelang
es, den Jesuitenorden zu einer ständigen Residenz in Ellwangen
zu bewegen.
Die Herrscher in der Zeit des Absolutismus waren tatkräftig.
Sie hatten neben der Fürstpropstei Ellwangen hohe Ämter
in Kirche und Reich inne. Kennzeichnend für die Herrscher in
der Zeit des Absolutismus war ein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis,
die Entwicklung wirtschaftlicher Kräfte und die reiche Bautätigkeit.
Sie waren bestrebt, die Fäden der Regierung fest in der Hand
zu halten.
Im Jahre 1680 kam der Jesuitenpater Philipp
Jeningen nach Ellwangen.
Er nahm Seelsorgearbeiten in der Stadt und deren Umgebung wahr. Besonders
kümmerte der sich um die Wallfahrt auf den Schönenberg.
Am 14. September des Jahres 1681 war Pater Philipp
Jeningen auf
dem Schloss bei Fürstpropst Johann
Christoph IV. Adelmann von Adelmannsfelden zu Gast. Plötzlich
brach ein heftiges Gewitter aus. Die beiden Freunde sahen wie ein
Haus der Stadt beim Jagsttor, vom Blitz getroffen, sofort in Flammen
stand. Die Gefahr eines Stadtbrandes lag auf der Hand. Ohnmächtig
sahen sie das in Flammen stehende Haus. In dieser aussichtslosen
Situation erflehten
die beiden Männer die Hilfe der Heiligen Mutter Gottes.
Der Fürstpropst gelobte eine große Marien-
wallfahrtskirche auf
dem Schönenberg zu errichten, sollte die Stadt von dem drohenden
Stadtbrand verschont bleiben. Nachdem das Haus verbrannt war erlosch
das Feuer.
Daraufhin entstand zwischen den Jahren 1682 und 1695 eine barocke
Marienwallfahrtskirche auf
dem Schönenberg. Sie wurde hauptsächlich nach den
Vorstellungen von Pater Philipp Jeningen gebaut. Die schon vorhandene
Kapelle mit dem Gnadenbild der Mutter Gottes wurde in diese Kirche
integriert.
Die Nachfolger Fürstpropst Johann
Christoph IV. Adelmann von Adelmannsfelden waren meistens Söhne bedeutender Adelsfamilien.
Neben der Fürstpropstei Ellwangen bekleideten sie noch weitere
wichtige Ämter im Reich und in der Kirche.
In der Regierungszeit der Fürstpröpste Ludwig
Anton von der Pfalz, Franz
Ludwig von der Pfalz und Franz
Georg von Schönborn erlebte
die Kunst in der Stadt ihre reichste Blüte. Nach der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg entstand im Jahr 1688 das Palais
Adelmann.
In den Jahren 1699 bis 1702 wurde das Spital modernisiert.
Im Jahr 1709 brannte die Schönenbergkirche teilweise ab. Das
Dach brannte und der, auf dem Dach aufsitzende Dachreiter stürzte
in den Innenraum. Dies öffnete dem Feuer den Weg ins Innere
der Kirche. Der Wiederaufbau fand in den Jahren 1709 bis 1729 statt.
Zwischen den Jahren 1720 und 1729 entstand ein Jesuitenkolleg mit
Kirche. Nach einem Brand mussten Teile des Schlosses in den Jahren
1720 bis 1727 neu aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang wurde
ein repräsentatives Treppenhaus errichtet. Die Innenausstattung
des Schlosses wurde erneuert. In den Jahren zwischen 1729 und 1732
wurden vor der Stadt das Kloster und die Kirche der Kapuziner gebaut. 1737
bis 1741 wurde die Barockisierung des Innenraumes der Stiftskirche
dem damaligen Zeitgeschmack angepasst. Auf dem Marktplatz wurde zwischen
1748 und 1750 das neue Stiftsrathaus gebaut und 1749 bis 1753 das
Spital erweitert und umgebaut. In den Jahren 1749 bis 1757 wurden
die Gebäude eines Priesterseminars auf dem Schönenberg
errichtet. Viele der Gebäude wurden von dem damaligen Stadtbaumeister
Arnold Friedrich Prahl mitgeplant und ausgeführt.
Fürstpropst Franz-Georg von Schönborn, der noch andere
bedeutendere Ämter in Kirche und Reich innehatte, kümmerte
sich persönlich
um die barocke Gestaltung der Residenzstadt der Ellwanger Fürstpröpste.
Die Heranbildung pflichtbewusster und zuverlässiger Beamter,
der energische Kampf gegen die Mitregierung des Stiftskapitels und
der organisatorische Ausbau der Stiftsexemtion,
der weitgehenden Unabhängigkeit vom Augsburger Diözesanbischof,
stärkten
die Macht des Fürstpropst Franz-Georg von Schönborn.
Mit Anton Ignatz von Fugger-Glött konnten die Stiftsherren wieder einen
Kandidaten aus ihren eigenen Reihen durchsetzen. Als Paradegarde für
repräsentative Auftritte gründete er die heutige Bürgergarde der Stadt
Ellwangen.
Fürstpropst Clemens Wenzeslaus von Sachsen war zugleich
Kurfürst
und Erzbischof von Trier, Fürstbischof von Augsburg, Fürstabt
von Prüm und Fürstpropst von Ellwangen. In seiner Regierungstätigkeit
ließ sich er sich von den Grundsätzen der Aufklärung leiten. Clemens
Wenzeslaus von Sachsen wurde beeinflusst von den
pädagogischen Tendenzen seiner fortschrittsgläubigen Zeit.
Er war bestrebt, durch neue Schulordnungen und Bereitstellung finanzieller
Mittel das höhere Schulwesen und die Volksschule den Erfordernissen
der Zeit anzupassen.
Der 1797 zum Hof-, Stadt- und Landschaftsphysikus berufene Josef
Alois von Frölich organisierte das Gesundheitswesen in Ellwangen
vorbildlich. Er wurde auch durch seine naturwissenschaftlichen, vor
allem botanischen Forschungen in der Gelehrtenwelt berühmt.
Auch auf kirchlichem Gebiet hat der Aufklärer Clemens Wenzeslaus
reformierend gewirkt. Der Kampf gegen den Aberglauben, das Verbot
der Karfreitagsprozessionen mit ihren symbolischen Passionsdarstellungen
und die Reduzierung der Feiertage von 38 auf 19 fanden bei den Untertanen
nicht immer eine positive Resonanz.
Als Folge der Auseinandersetzungen mit Napoleon musste
der Herzog
von Württemberg seine Gebiete links des Rheins an Frankreich
abtreten. Napoleon sicherte
ihm kleinere Fürstentümer und
Reichsstädte als
Entschädigung zu; unter anderem auch die
Fürstpropstei Ellwangen. Ab dem Jahre 1803 gehörte die
Stadt Ellwangen zum Herzogtum Württemberg.
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