Die Gegenreformation in Ellwangen
zur Zeit der Fürstpröpste Heinrich von der Pfalz und
Kardinal Otto von Waldburg
Aufgrund der häufigen Abwesenheit des Propstes und
dem schlechten Beispiel der Stiftsherren gab es in den 30er Jahren
wieder eine Reihe von Neugläubigen in der Stadt Ellwangen.
Im Jahr 1534 gelang es dem Ellwanger Schirmherrn, dem Herzog
von Württemberg, wieder aus seiner Verbannung zurückzukehren.
Er bemühte sich sofort darum, in seinem Herrschaftsgebiet
und in den Gebieten in denen er Schirmherr war, die Reformation
einzuführen. In dieser Zeit war Heinrich
von der Pfalz Fürstpropst
in Ellwangen. Heinrich von der Pfalz war auch Bischof mehrerer
Bistümer und verfügte über eine einflussreiche Verwandtschaft.
Er war in dieser Zeit eine Barriere gegen die Wahl eines württembergischen
Parteigängers zum Fürstpropst. Ein Solcher hätte
das Stift unter dem Einfluss des Herzogs von Württemberg der
Reformation zuführen können.
Vorreiter der religiösen Erneuerung in der katholischen
Kirche war der im Jahre 1534 in Italien durch Ignatius
von Loyola gegründete Jesuitenorden. Überhaupt
hatten die Jesuiten bedeutsamen
Anteil an der Gegenreformation.
Der Kaiser, Karl
V., befürwortete nach 1540 eine Eingliederung
der kleinen Fürstpropstei in das Herrschaftsgebiet des katholischen
Deutschen Ordens. Das Stiftskapitel wiedersetzte sich diesen Vorstellungen
des Kaisers. Dabei hatte es Rückhalt bei dem protestantischen Herzog
von Württemberg, der eine katholisch-geistliche Machtkonzentration
an seinen Grenzen nicht wollte.
Durch den siegreichen Krieg des Kaisers gegen den Schmalkaldischen
Bund, eines Zusammenschlusses protestantischer Reichsfürsten,
wurde der Einfluss des Protestantismus zurückgedrängt.
Der Ellwanger Schirmherr, Herzog Ulrich
von Württemberg,
fürchtete den Einfluss des Deutschen
Ordens sehr. Deshalb
unterstützte er letztendlich den mächtigen Kardinal,
Otto Truchsess von Waldburg. Das Stiftskapitel wählte Otto
Kardinal von Waldburg, den Bischof von Augsburg, am 26. März
1552 zum neuen Fürstpropst.
Die Stadt Ellwangen und die Burg über der Stadt wurden
daraufhin vom Deutschen Orden von der Kapfenburg aus gewaltsam
eingenommen. Herzog Christoph
von Württemberg schickte als
Verbündeter des Kardinals Truppen, die den Deutschen Orden
wieder zurückdrängten und somit das Territorium der Fürstpropstei
Ellwangen für den Kardinal sicherten. Die Rechtfertigung dieses
Vorgehens begründete der Herzog mit seiner Rolle als Schirmherr
der Fürstpropstei Ellwangen.
Fürstpropst Kardinal Otto Truchsess von Waldburg war
ein bedeutender katholischer Reformer und ein kenntnisreicher,
starker Reichspolitiker. Er war ein Gegner aller Zugeständnisse
an die Protestanten in der Reichspolitik. In der Zeit der Gegenreformation war Kardinal Otto Truchsess von Waldburg ein Vorkämpfer für
die politische Stabilisierung des Stiftes als selbständiges
katholisch-geistliches Fürstentum innerhalb des Heiligen
Römischen
Reiches.
Im Jahre 1555 wurde auf dem Reichstag in Augsburg
ein Gesetz, der sogenannte Augsburger
Religionsfriede, beschlossen,
das den Anhängern Martin
Luthers Frieden zusicherte und ihre
Besitzstände bestätigte. Die weltlichen Reichsstände hatten die Möglichkeit ihre Konfessionszugehörigkeit selbst
zu bestimmen. Die geistlichen Fürsten mussten bei einem Übertritt
ihre Ämter niederlegen. Reichsstädte konnten ihre Konfession,
nach der Bestimmung des Augsburger Religionsfriedens, selbst bestimmen.
Der Einzelne hatte auch weiterhin keine Religionsfreiheit, denn
er musste dem Bekenntnis seines Landesherrn folgen.
Im Gegensatz zur Landbevölkerung, die aus Leibeigenen bestand, durften die Bürger einer Stadt ihren Wohnort selbst
bestimmen. Für Bürger der Stadt Ellwangen die zum Protestantismus überwechseln
wollten bestand also nur die Möglichkeit in Gebiete auszuwandern
die einem protestantischen Fürsten gehörten. Die Landbevölkerung,
die aus Leibeigenen bestand, durfte ihren Wohnort nicht selbst
bestimmen. Für sie gab es keine Möglichkeit ihre Konfessionszugehörigkeit zu wählen.
Die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens benützte
der Kardinal nun als Rechtsgrundlage um den Protestantismus in
seinem Gebiet auszurotten. Da er jedoch selten in Ellwangen anwesend
war konnte er sich nicht persönlich darum kümmern. In
den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts stieg die Zahl der Anhänger
der Reformation in der Stadt Ellwangen auf rund 10%.
1560 erließ er sein erstes Religionsmandat. Als Bischof
und Propst und aufgrund des Augsburger Religionsfriedens verordnete
er, das alle Untertanen bei der katholischen Religion bleiben
und besonders die Gebote der Beichte und der Kommunion halten sollten.
Von diesem Mandat waren in Ellwangen etwa 40 Familien betroffen.
Zunächst versuchte man sie dazu zu bringen beim katholischen
Glauben zu verbleiben.
Die Ausgewiesenen mussten ihr Hab und Gut verkaufen. Bei
einem entsprechenden Überangebot wäre der Preis stark
gesunken. Bei aller Härte in Dingen, die die Religion betrafen,
kaufte der Fürstpropst die Güter der Ausgewiesenen zu
einem fairen Preis auf um den Preisverfall zu verhindern. Dies
war, verglichen mit anderen Fürsten nicht selbstverständlich.
Der Betreffende Artikel des Augsburger Religionsfriedens war in
dieser Beziehung nicht eindeutig.
Württembergische Räte vermittelten im Namen des Schirmherrn, der auch zu den Anhängern der Reformation gehörte,
bei Ausweisungen des öfteren einen Aufschub des Ausweisungstermins.
Die Reichsstadt Aalen führte, unter Berufung auf den
Städteartikel des Religionsfriedens, im Jahre 1565 die Reformation
ein. Die Protestanten der Stadt Ellwangen konnten jetzt z.B. nach
Aalen auswandern und die Aalener Katholiken nach Ellwangen.
Neben der Ausweisung der Protestanten drang Fürstpropst
Otto von Waldburg auch auf eine Reform des Klerus im ganzen Stiftsgebiet.
Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Geistlichen musste
auch zu einer Erneuerung innerhalb der Katholischen Kirche führen.
Der Klerus muss seiner Meinung nach einen vorbildlichen Lebenswandel
führen. Geistliche die im Konkubinat lebten wurden streng
bestraft. Der Levit Hulderich zum Beispiel, musste seine Pfründe aufgeben, sich des Konkubinats enthalten, um Absolution von der
Exkommunikation nachsuchen und die Stadt verlassen. Innerhalb der
Fürstpropstei durfte er sich jedoch aufhalten. Von Rom aus
kümmerte der Kardinal sich persönlich um die Neubesetzung
der geistlichen Ämter.
Der Kardinal und Fürstpropst Otto von Waldburg selbst
war erotischen Abenteuern gegenüber jedoch nicht abgeneigt.
Den Vorwurf des Kardinals, das Verhalten der Geistlichen
verursache den Glaubensabfall der Leute, wollte der Ellwanger Klerus
nicht gelten lassen. Sie meinten schuld am Glaubensabfall der Menschen
sei die lange Abwesenheit des Fürstpropstes.
Der Jesuit Petrus
Canisius war im Jahre 1550 vom Ordensgründer Ignatius
von Loyola ins Heilige
Römische Reich Deutscher Nation geschickt worden, um dort die Arbeit des Ordens aufzubauen. Er
kannte den Fürstpropst Otto von Waldburg. Beide verband eine
enge Freundschaft. Im laufe der Zeit wurde Petrus Canisius für
Otto von Waldburg zu einem Seelenführer, zu einem Berater
und Helfer. Im Frühjahr des Jahres 1568 kam der Fürstpropst
nach Ellwangen und brachte Petrus Canisius mit. Beide konnten jetzt
in der zweiten Hälfte der Fastenzeit sowie über die Osterfeiertage
gemeinsam in der Stadt wirken. Petrus Canisius predigte mehrmals
wöchentlich in der Stiftskirche. Er hörte die österliche
Beichte, besuchte die Kranken in den Häusern und bereitete
die Firmung vor. Der Fürstpropst ging unter das Volk. Otto
von Waldburg war für jedermann zu sprechen. Er predigte, besuchte
die Kranken und firmte. Am Gründonnerstag wusch der Kardinal
12 armen Männern aus Ellwangen die Füße und bediente
sie anschließend beim Essen auf der Burg.
Am 12. April wurden die Ellwanger Protestanten auf die Burg
geladen. Es waren 15 Frauen und 37 Männer aus dem Gebiet der
Propstei. Sie baten um Fristverlängerung für ihren Abzug.
Durch eine Mischung aus Belehrung und Druck gelang es dem Fürstpropst
schließlich, zusammen mit Petrus Canisius 26 Leute für
die katholische Religion zurückzugewinnen. Den Anderen wurden
konfessionell gemischte Eheschließungen, ketzerische Bücher,
ketzerische Gemälde, Zusammenkünfte und Bestattungen
auf geweihten Friedhöfen untersagt. Unter diesen Bedingungen
wurde die Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängert.
Einige von ihnen hielten sich nicht daran und wurden im
Herbst ausgewiesen.
Fürstpropst Kardinal Otto von Waldburg starb im Jahre
1573. Bei seinem Tode war die Fürstpropstei Ellwangen ein
weitgehend katholisches Fürstentum. Seine Maßnahmen
zur Erhaltung der katholischen Religion waren erfolgreich. Nur
wenige Menschen empfingen die Sakramente nicht. Als Teil der Reichskirche war die Fürstpropstei fest im Heiligen Römischen Reich
Deutscher Nation integriert. Kardinal Otto von Waldburg stellte
die entscheidenden Weichen für die Zukunft der Fürstpropstei
Ellwangen. |