Der Kalte Markt in Ellwangen und die Ellwanger Jahrmärkte
Der Kalte Markt in Ellwangen
ist als Pferdemarkt bereits im Frühmittelalter, vielleicht
sogar in den Anfangsjahren des Klosters, im Zusammenhang mit der
Segnung der Pferde entstanden. Er fand am Gedenktag der Ellwanger Pferdeheiligen,
dem 17. Januar statt. Vermutlich kam schon bald nach der Gründung des Marktes
ein Viehmarkt hinzu. Der Kalte Markt lag außerhalb der Arbeitszeiten
auf dem Feld, zeitlich günstig für die bäuerliche
Bevölkerung. Zu diesem Zeitpunkt konnten die Bauern abschätzen,
ob sie mit den eingelagerten Futtervorräten Tiere kaufen konnten
oder verkaufen mussten.
Seit dem Frühmittelalter gab es in Ellwangen 2 Jahrmärkte.
Dies waren der Kalte Markt am 17. Januar und der Herbstmesstag oder
Michaelismarkt am 3. Oktober. Im Hochmittelalter entstanden
in Ellwangen, vielleicht im Zusammenhang mit der Entstehung der Stadt,
weitere Märkte. Die zu den beiden bestehenden Märkten hinzugekommenen
neuen Jahrmärkte waren, der Grasmarkt am 23. Mai und der Veitsmarkt
am 15. Juni. Damit hatten sich bis spätestens ins erste Drittel
des 13. Jahrhunderts, die vier, seit dem 14. Jahrhundert in den Ellwanger
Quellen greifbaren Jahrmärkte, herausgebildet.
Dies waren also:
- Der Kalte Markt am Gedenktag
des heiligen Antonius und der hl. Drillinge Eleusippus, Meleusippus
und Speusippus (17. Januar). Der Kalte Markt ist der älteste
Ellwanger Jahrmarkt
- Der Grasmarkt am Gedenktag der heiligen Sulpitius und
Servilianus (23. Mai)
- Der Veitsmarkt am Gedenktag des heiligen Vitus (15. Juni)
- Der Herbstmesstag oder
Michaelismarkt am fünften
Tag nach Michaelis (3. Oktober)
Heute gibt es von den oben
genannten Jahrmärkten nur
noch den Kalten Markt. Er findet jedes Jahr in der Woche nach dem Erscheinungsfest statt.
Außer dem
Krämermarkt beim Kalten Markt gibt es in Ellwangen heute, über
das Jahr verteilt, noch 6 weitere Krämermärkte, die an
Größe und Bedeutung allerdings hinter dem Kalten Markt
zurückbleiben. Der Kalte Markt ist der größte Ellwanger
Jahrmarkt.
Zum ersten mal wurde der „Kalte Messtag“ 1353
im Zinsregister der Pfarrei Ellwangen schriftlich erwähnt.
Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es neben dem Pferde- und Viehhandel
ein breitgefächertes Angebot verschiedener Waren des täglichen
Bedarfs zu kaufen. Die Erwähnung eines Glückspiels beim
Kalten Markt 1472 zeigt, dass neben dem Verkauf und Handel, dem
Marktbesucher auch ein unterhaltender und belustigender Teil des
Marktes angeboten wurde. Es ist davon auszugehen, dass dieses Glückspiel
nicht nur im Jahr 1472 stattfand, sondern auch in den Jahren davor
bzw. danach.
Die Funktion des Kalten Marktes
als Pferde- und Viehmarkt findet sich erstmals 1626 in den Aufzeichnungen
der Fürstpropstei.
Die Verkäufer von Pferden und Ochsen kamen damals aus dem
Gebiet der Fürstpropstei Ellwangen oder aus den, an die Fürstprobstei
angrenzenden Gebieten. Die Kaufinteressenten kamen in dieser Zeit
jedoch fast ausschließlich nicht aus dem Bereich der Fürstpropstei
Ellwangen oder deren unmittelbarer Umgebung sondern hauptsächlich
von der Ulmer Alb, aus dem Gebiet um Crailsheim, aus dem Herzogtum
Württemberg und aus dem Raum Gunzenhausen. Alle Käufer
stammten somit aus Gebieten, die seit über einem Jahrhundert
evangelisch waren und somit von der Fürstpropstei konfessionell
getrennt. Der Ellwanger Raum war zu diesem Zeitpunkt anscheinend
ein Zentrum der Pferdezucht.
Der Kalte Markt begann sich
bereits im späten 17. Jahrhundert
vom Festtag der heiligen Drillinge zu
lösen. Die zeitliche
Verlegung des Kalten Marktes hat sich im Zuge der Aufklärung
bis Ende des 18. Jahrhunderts endgültig auf die erste Woche
nach Heilige Drei Könige verschoben. Er wurde aber weiterhin
in seiner alten Form erhalten. Bestehen blieb auch die Bindung
an die heiligen Drillinge.
Kurz bevor der 30
jährige Krieg auch unsere Region
erreichte wurden auf dem Kalten Markt jährlich zwischen 100
und 200 Pferde verkauft und weniger als 50 Ochsen. Nach dem Krieg
stiegen die Verkaufszahlen auf über 500 verkaufte Pferde pro
Jahr an, unterlagen jedoch starken jährlichen Schwankungen,
wobei in Krisenzeiten immer ein starker Rückgang der Verkaufszahlen
zu verzeichnen war. Auch die Verkaufszahlen der Rinder stiegen
bis auf plus minus 100 pro Jahr an. Auch sie unterlagen
starken jährlichen Schwankungen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die
Bedeutung des Viehmarktes auf dem Kalten Markt zu. Die Verkaufszahlen
waren immer noch großen jährlichen Schwankungen unterworfen.
Die Kaufinteressenten kamen immer noch zum Teil von weit her. Der
Krämermarkt beim Kalten Markt war in dieser Zeit unbedeutend.
Der Kalte Markt war für die Ellwanger Gaststätten
ein einträgliches Geschäft. Viele Käufer, die von
weiter her kamen mussten für einige Tage untergebracht und
versorgt werden.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts
begann sich der Pferde und Viehmarkt weiter auszudehnen. In der
2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts wurden über 2000 bis 3000 Rinder zum Verkauf
angeboten. Die Zahl der zum Verkauf angebotenen Pferde lag zwischen
500 und 1000. Im Jahr 1860 war ein Elefant auf dem Markt anwesend.
Bereits 1864 musste die Stadt Ellwangen einen Antrag an das Oberamt zur
Abhaltung eines weiteren Pferdemarktes sowie 4 weiterer Rindviehmärkte
stellen. Trotz des Einspruchs der Stadt Crailsheim wurde der Antrag
auf 5 Jahre hinaus genehmigt. Diese Genehmigung wurde alle 5 Jahre
verlängert. Nach 1870 hatte sich der Kalte Markt von einem
Pferdemarkt zu einem der bedeutendsten Viehmärkte im nordwürttembergischen
Raum verändert. Im 19. Jh. kamen Viehhändler aus einem
sehr großen Einzugsbereich nach Ellwangen. Die verkauften
Tiere wurden in dieser Zeit mit der Bahn abtransportiert. Bereits
im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden, im Zusammenhang mit dem
Kalten Markt, Pferdeprämierungen vorgenommen. Beim Kalten
Markt fand auch ein Krämermarkt statt. Seine Rolle trat während
des 19. Jahrhunderts jedoch deutlich hinter der des Pferdemarktes
zurück, da die Leute die gleichen Waren zum Teil billiger
in der Stadt Ellwangen einkaufen konnten.
Das 20. Jahrhundert bedeutete für den Kalten Markt keinen Bruch
mit der Vergangenheit. Der erste Weltkrieg hat bei den Verkaufszahlen
des Kalten Marktes keine Spuren hinterlassen. In der Weimarer Zeit
begannen erste Veränderungen. 1925 wurden nur 81 Pferde auf
dem Kalten Markt verkauft. Beim Viehauftrieb sollen es über
1000 Rinder gewesen sein. Dafür waren ca. 350 Marktstände
aufgebaut und die Stadtkapelle und der bekannte Max Mayer gaben dem
Kalten Markt neben dem Marktgeschehen eine unterhaltende, gesellschaftliche
Seite. Die Stadtverwaltung begann den Kalten Markt durch eine Pferdeprämierung
zu unterstützen. Hierbei wurde an Vorgänge seit dem 19.
Jahrhundert angeknüpft. 1934 wurden 300 Pferde aufgetrieben
aber bereits 58 prämiert. Der beim Kalten Markt stattfindende
Umzug erhielt in dieser Zeit auch eine höhere Bedeutung.
Nach 1935 fand auf dem oberen Brühl jeden Monat ein Viehmarkt
statt. Vorher hatte der Viehmarkt in der Altstadt stadtstattgefunden.
Neben dem Kalten Markt gab es damals noch einen weiteren Pferdemarkt
und zwar an dem auf den dritten Montag im März folgenden Dienstag.
Der Kalte Markt war auch in der Zeit
des Nationalsozialismus weit mehr vom Viehmarkt als vom Pferdemarkt
geprägt. Die Bauern schimpften
darüber, dass auf der einen Seite jüdische Händler
vom Kalten Markt ausgeschlossen wurden und auf der anderen Seite
kein Ersatz durch arische Händler geschaffen wurde. Im Verlauf
des 2. Weltkrieges ging der Kalte Markt zurück um schließlich
ganz zu erliegen. Erst 1949 wurde er wieder als Pferdemarkt aufgenommen
und ebenso die Prämierung der Pferde durch die Stadt Ellwangen.
Ab 1958 fanden in Ellwangen 3 Pferdemärkte statt. Neben dem
Kalten Markt im Januar zwei weitere im März und Oktober. In
den 50 er Jahren begann die Entwicklung, durch die das Pferd in Landwirtschaft
und Verkehr immer mehr von PKW und Schlepper abgelöst wurde.
1970 wurden auf dem Kalten Markt nur noch 10 Pferde zum Verkauf angeboten.
1978 waren es noch 2. Seit dieser Zeit werden auf dem Kalten Markt
keine Pferde mehr verkauft. Das Marktgeschehen hatte sich auf andere
Produkte des täglichen Bedarfs verlagert. Im Jahr 1978
wurden jedoch 104 Pferde den Preisrichtern vorgestellt. Ellwangen
blieb ein Zentrum der Pferdezucht, wie am Kalten Markt bei der Prämierung
der Pferde, durch den historischen Umzug und durch die Bauernversammlung
deutlich wurde und wird. Bei der Bauernversammlung spricht jedes
Jahr ein Politiker. 2007 war es z. B. der Ministerpräsident
des Landes Baden-Württemberg, Günter Öttinger. Seit
1958 wird die „Kalte Markt Plakette“ verliehen. Nachdem
das Pferd als Transportmittel und als Arbeitstier in der Landwirtschaft
vollständig durch die Motorisierung abgelöst wurde, liegt
der Schwerpunkt des Kalten Marktes im Bereich des Pferdes seit den
letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht mehr auf dem Handel
mit Pferden, sondern ausschließlich auf der Prämierung
der Züchter. Die Bedeutung des Krämermarktes beim Kalten
Markt hat zugenommen. Heute gibt es beim Kalten Markt auch eine Technikmesse
bei der Firmen aus der Region ihre Produkte anbieten. Der Einzugsbereich
des Kalten Marktes ist kleiner geworden. Der Kalte Markt hat seine
neue Gestalt in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erhalten. |