Fürstpropst Kardinal Otto Truchsess von Waldburg (1553 - 1573)

Fürstpropst Heinrich von der Pfalz starb im Jahre 1552. Das Stiftskapitel selbst war zu schwach um den Machtgelüsten des katholischen Deutschordens zu wiederstehen. Ein Nachfolger des Fürstpropstes aus seinen eigenen Reihen kam also nicht in frage. Der Ellwanger Schirmherr, Herzog Christoph von Württemberg, fürchtete den Einfluss des Deutschen Ordens sehr. Deshalb unterstützte er letztendlich den Kardinal, Otto Truchsess von Waldburg. Das Stiftskapitel wählte Otto Kardinal von Waldburg, den Bischof von Augsburg, am 26. März 1552 einstimmig zu seinem Nachfolger.

Fürstpropst Kardinal Otto Truchsess von Waldburg war ein bedeutender katholischer Reformer und ein kenntnisreicher, starker Reichspolitiker. Der Kardinal war in der Lage dem Deutschen Orden Wiederstand zu leisten. Er war ein Gegner aller Zugeständnisse an die Protestanten in der Reichspolitik. Die in dieser Zeit relativ ertragreiche Fürstpropstei diente ihm vor allem zur Aufbesserung seiner Kassenlage. In der Zeit der Gegenreformation war Kardinal Otto Truchsess von Waldburg ein Vorkämpfer für die politische Stabilisierung des Stiftes als selbständiges katholisch-geistliches Fürstentum innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.

Die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens benützte der Kardinal als Rechtsgrundlage um den Protestantismus in seinem Gebiet auszurotten. Da er jedoch selten in Ellwangen anwesend war konnte er sich nicht persönlich darum kümmern. 1560 erließ er sein erstes Religionsmandat. Ihm wurde berichtet, dass sich viele Bürger der Stadt vom katholischen Glauben abgewandt hätten. Da er nichts mehr gehört habe sei er vom Erfolg seiner Weisungen ausgegangen. Jetzt müsse er erfahren, dass manche nicht nur bei ihrer Meinung geblieben seien, sondern auch andere dafür gewonnen hätten. Als Bischof und Propst und aufgrund des Augsburger Religionsfriedens verordnete er, das alle Untertanen bei der katholischen Religion bleiben und besonders die Gebote der Beichte und der Kommunion halten sollten.

Von diesem Mandat waren in Ellwangen etwa 40 Familien betroffen. Zunächst versuchte man sie dazu zu bringen beim katholischen Glauben zu verbleiben. Diejenigen die evangelisch blieben wurden ausgewiesen. Bei aller Härte in Dingen die die Religion betrafen, kaufte der Fürstpropst die Güter der Ausgewiesenen zu einem fairen Preis auf um den zu erwartenden Preisverfall zu verhindern. Dies war, verglichen mit anderen Fürsten nicht selbstverständlich. Der betreffende Artikel des Augsburger Religionsfriedens war in dieser Beziehung nicht eindeutig.

Neben der Ausweisung der Protestanten drang Fürstpropst Otto von Waldburg auch auf eine Reform des Klerus im ganzen Stiftsgebiet. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Geistlichen musste auch zu einer Erneuerung innerhalb der Katholischen Kirche führen. Der Klerus muss seiner Meinung nach einen vorbildlichen Lebenswandel führen.

Im Frühjahr des Jahres 1568 kam der Fürstpropst nach Ellwangen und brachte Petrus Canisius mit. Beide konnten jetzt in der zweiten Hälfte der Fastenzeit sowie über die Osterfeiertage gemeinsam in der Stadt wirken. Der Fürstpropst ging unter das Volk. Otto von Waldburg war für jedermann zu sprechen. Er predigte, besuchte die Kranken und firmte. Am Gründonnerstag wusch der Kardinal 12 armen Männern aus Ellwangen die Füße und bediente sie anschließend beim Essen auf der Burg.

Fürstpropst Kardinal Otto von Waldburg starb im Jahre 1573. Bei seinem Tode war die Fürstpropstei Ellwangen ein weitgehend katholisches Fürstentum. Seine Maßnahmen zur Erhaltung der katholischen Religion waren erfolgreich. Nur wenige Menschen empfingen die Sakramente nicht. Als Teil der Reichskirche war die Fürstpropstei fest im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation integriert. Der Fürstpropst hatte im Reichstag eine Virilstimme. Die Stellung der Fürstpropstei Ellwangen innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war soweit gefestigt, das die Chorherren des Stiftskapitels über 1 Jahrhundert die Fürstpröpste aus den eigenen Reihen wählen konnten. Erst dann wurde der Einfluss des hohen Adels auf die Fürstpropstei wieder so groß, dass er die Propstwürde als Nebenpfründe erlangen konnte. Kardinal Otto von Waldburg stellte die entscheidenden Weichen für die Zukunft der Fürstpropstei Ellwangen.

 




Kardinal Otto Truchsess von Waldburg

Fürstpropst Kardinal Otto von Waldburg war immer in finanziellen Schwierigkeiten.
Die reiche Fürstpropstei diente ihm zur Aufbesserung seiner Kassenlage