Vögte des Mittelalters

Der althochdeutsche Begriff Vogt, auch Voigt oder Fauth lat.: advocatus, heißt der Hinzu-/Herbeigerufene, im Sinne von (Rechts)beistand.

Das durch Vögte vertretene Rechtsprinzip leitete sich sowohl von spätrömischen Beamten, den vorgenannten advocati, als auch von der germanischen Munt ab. Vögte waren zumeist Adelige. Generell übten, sie unabhängig vom betreffenden Kloster, die weltlichen Verwaltung des Klostergebietes aus.

Das Verhältnis zwischen den geistlichen Grundherren und den Vögten war ein Schutzverhältnis, welches die gewaltsame Verteidigung gegen Gefahren, sowie die Vertretung in weltlichen Angelegenheiten durch den Vogt mit einschloss. Im Zuge der Territorialisierung versuchten die Vögte des Hochmittelalters sich in ihren Gebieten festzusetzen, ihre Rechte auszuweiten und dort die geistlichen Grundherren zu verdrängen.

Die geringe Überlieferung zur  Vogteigeschichte des Hochmittelalters im Ellwanger Gebiet des Virngrundes steht in einer Wechselbeziehung zu einer, im Spätmittelalter erkennbaren, schwachen vogteilichen Stellung. Auch ein geringer Einfluss unabhängiger Vögte auf die weltlichen Angelegenheiten des Klosters kann für das Hochmittelalter aus heutiger Sicht weder bewiesen, noch wiederlegt werden.

Spätestens ab dem Jahr 1168 übten die Staufer als Erblehen des Abtes die Vogtei im Ellwanger Klostergebiet aus. (RI 1809) Die Vogtei wird in dieser Urkunde nicht als gräfliche Funktion, sondern als Lehen vom Abt erkennbar. Der Abt war kein gräflicher Vasall.

Die Öttinger waren nach den Staufern die Grafen des Riesgaues. Ihr Vogteianspruch in Ellwangen wird aus heutiger Sicht mit einer möglichen, weitläufigen Verwandtschaft mit den Staufern begründet.

Die Bezeichnung Vogtei wurde im Zusammenhang mit den Herren von Öttingen in Ellwangen erstmals in den Unterlagen des Klosters aus dem 14. Jahrhundert verwendet; kurz bevor die Vogteirechte von der Fürstabtei Ellwangen zurückgekauft wurden.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts waren die Öttinger Riesgrafen Vögte für die niedere Gerichtsbarkeit in Ellwangen. Vorsitzender des Stadtgerichts, das unter anderem auch für die Niedergerichtsbarkeiten zuständig war, ist der vom Abt eingesetzte Schultheiß gewesen. Dieses Stadtgericht war eher mit einem Stadtrat als mit einer Justizbehörde im heutigen Sinne vergleichbar. Ihm konnte der Riesgraf einen Vogt beigesellen, der den Gebühreneingang und das korrekte Verhalten des Schultheißen überwachen sollte. Dies war mit Kosten verbunden.

Nachdem der Abt durch den Rückkauf der Vogteirechte von den Öttingern über die Stadt, im Jahr 1381 unbeschränkter Stadtherr wurde, setzte er abhängige adelige Stadtvögte ein. Der Stadtvogt war der oberste Beamte in der Stadt. Ihm oblag der Schutz der Stadt und seiner Einwohner sowie die Aufsicht über die Tätigkeit des Stadtschultheißen, des Stadtgerichts, sowie der Steurer. In dieser Funktion konnte er an den Sitzungen des Stadtrats teilnehmen. Das ganze Polizeiwesen in der Stadt unterstand seiner Leitung. Zugleich war er Stadtkommandant und hatte als solcher das Recht, in Sachen, die den Militär- und Wachdienst, die Stadttore und den Einlaß betrafen, zu entscheiden und zu befehlen.