Wolfgang von Hausen  (1584 – 1603)

Wolfgang von Hausen wurde im Jahr 1553 geboren und starb am 3.9.1613. Er war von 1584 bis 1603 Fürstpropst von Ellwangen.

In dieser Zeit war das christliche Abendland durch mehrere Türkenkriege im Königreich Ungarn bedroht. Der Fürstpropst war der Ansicht, wegen des unbußfertigen Lebens, der Sünden und der Leichtfertigkeiten – besonders auch des jungen Volkes – habe Gott der Allmächtige in seinem gerechten Zorn den Erzfeind der Christenheit, den Türken ins Königreich Ungarn eindringen lassen.

Angesichts dieser Tatsache war Fürstpropst Wolfgang von Hausen sehr erbost über die Leichtfertigkeit der Jugend. Von seinen Vögten verlangte er unter anderem, das sie jede schwangere Braut sofort melden. Dieses unsittliche, ehrlose Paar sollte seiner gerechten Strafe zugeführt werden.

In jenen Jahrzehnten verbot Fürstpropst Wolfgang von Hausen verschiedene Vergnügungen, die seiner Ansicht nach die Gelegenheit zu sündigen boten. Er hoffte damit Gottes Zorn zu besänftigen, damit Seuchen, Hunger, Unwetter und Krieg ein Ende haben.

Tanzen und Singen wurde ausdrücklich untersagt – auch zur Fastnachtszeit oder bei Hochzeiten.

Im Jahre 1588 wurden an der Stiftskirche, der heutigen Basilika, Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. In diesem Zusammenhang ließ Fürstpropst Wolfgang von Hausen am Südgiebel der Basilika ein steinernes Bildnis des „Jüngsten Gerichtes“ mit weit geöffnetem Höllenrachen anbringen.

In der Amtszeit Wolfgangs von Hausen fanden im Jahre 1588 in Ellwangen ca. 20 Hexenprozesse statt. Entscheidend für den Beginn der Prozesse waren vor allem zwei Faktoren: erstens die Vorbildwirkung anderer Verfolgungen im ostschwäbischen Raum, besonders der seit 1587 stattfindenden Prozesse im Hochstift Augsburg; zweitens Hexereibeschuldigungen, die in Ellwangen im August 1588 im Zusammenhang mit Strafverfahren wegen Sittenvergehen erhoben wurden.  

Durch massiven Foltereinsatz wurden die Verteidigungsmöglichkeiten der Angeklagten in Ellwangen radikal beschnitten. Als Indiz zur Verhaftung genügte das Vorliegen einer Besagung, zur Folterung der Beklagten mußte die Fixierung des Hexenmals durch den Scharfrichter hinzutreten.  

Das offizielle Urteil der Verfahren lautete stets auf Hinrichtung durch das Feuer. Zumindest in einigen Fällen, vielleicht sogar durchgehend, hat jedoch Fürstpropst Wolfgang von Hausen die verkündeten Urteile abgemildert und vor der Verbrennung des Körpers die Enthauptung bzw. Strangulierung der verurteilten Personen angeordnet. Nach der erfolgten Exekution behielt der Propst von den Hinterbliebenen Konfiskationsgelder ein, die aller Wahrscheinlichkeit nach die Höhe von "Kindsteilen", d.h. Erbanteilen eines Erben, hatten. 

Fürstpropst Wolfgang von Hausen wurde im Jahre 1601 Bischof von Regensburg.
 




Wolfgang von Hausen

Fürstpropst Wolfgang von Hausen